LENA bei der PoSyDyS in Graz, Österreich
Die erste Ausgabe des Power System Dynamics Summit (PoSyDyS) 2026 fand vom 9. bis 11. September an der Technischen Universität Graz in Österreich statt. LENA wurde durch João Pedro Cipriani und Yashwanth Akuthota vertreten. Mit rund 100 Teilnehmern, zwei Eröffnungsvorträgen und 14 Fachsitzungen bot die Konferenz einen kompakten und stark fokussierten Rahmen zum Thema schwache Netze und umrichterdominierte Stromversorgungssysteme, wobei es erhebliche Überschneidungen mit den laufenden Forschungsarbeiten bei LENA gab. Das kleine Format förderte detaillierte fachliche Diskussionen und den weiteren Austausch während des gesamten dreitägigen Programms.
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Beiträge
Die beiden Beiträge von LENA befassten sich mit sich ergänzenden Aspekten des Betriebs und der Stabilität von netzbildenden Umrichtern.
João Pedro Scherer Cipriani hielt einen Vortrag zum Thema „Region of Attraction Analysis for Transient Stability of Current-Limited Grid-Forming Inverters“, den er gemeinsam mit Ricardo Bortoluzzi Morim, Christoph Sauer, João Victor Lopes Rosa, Martin Wolter und Humberto Pinheiro verfasst hatte. Die Arbeit untersuchte die Stabilität von netzbildenden Umrichtern unter adaptiver Strombegrenzung mit virtueller Impedanz und zeigte, dass die Aktivierung des Begrenzers den geschätzten Stabilitätsbereich und die entsprechende Fehlerbeseitigungsreserve erheblich verringern kann. Auf den Vortrag folgte eine ausführliche Diskussion mit dem Sitzungsvorsitzenden Ziqian Zhang von der TU Graz, dessen Forschungsschwerpunkt sich stark mit dem Thema überschneidet.

Abbildung 1: João Pedro Scherer Cipriani während seines Vortrags auf der PoSyDyS 2026.
Yashwanth Akuthota, Masterstudent am LENA, hielt einen Vortrag zum Thema „Prequalified Grid-Forming VSM for Instantaneous Reserve with Black-Start Capability“, den er gemeinsam mit Christoph Sauer, Gabriel Maier Cocco, João Pedro Scherer Cipriani, Martin Wolter und Humberto Pinheiro verfasst hatte. In der Studie wurde untersucht, ob ein Umrichter mit der Steuerung einer virtuellen Synchronmaschine, der für deutsche Frequenzregeldienste präqualifiziert ist, auch den Schwarzstart und die Wiederherstellung des Stromnetzes unterstützen kann. Anhand eines modifizierten IEEE 14-Knoten-Systems wurde gezeigt, dass dasselbe Regelungskonzept während eines Stromausfalls, der Wiederherstellung und der Resynchronisation anwendbar bleibt und anschließend den Frequenzregeldienst ohne Neujustierung des Reglers wieder aufnehmen kann. Der Beitrag wurde in der Sitzung „Intentional Islanding and Grid Restoration“ vorgestellt. Die LENA-Kollegen hatten zudem die Gelegenheit, mit dem auf der Veranstaltung anwesenden OPAL-RT-Team über die Herausforderungen der Echtzeitsimulation im Zusammenhang mit dem Beitrag zu diskutieren.

Abbildung 2: Yashwanth Akuthota hält seinen Vortrag auf der PoSyDyS 2026.
Höhepunkte der Konferenz
Ein besonderes Merkmal von PoSyDyS war die enge Verbindung zum österreichischen Stromsektor. Die Eröffnungsvorträge sowie die breite Beteiligung von Netzbetreibern, Energieversorgern, Herstellern und Technologieanbietern brachten eine praxisnahe Systemperspektive in die Diskussionen über netzbildende Technologien und die Herausforderungen zunehmend von Umrichtern dominierter Netze ein.
Auch das technische Programm stand in engem Zusammenhang mit der laufenden Forschung bei LENA. Mehrere Vorträge mündeten in umfassendere Diskussionen darüber, wie sich praktische Einschränkungen von Umrichtern, die Implementierung von Reglern und Modellannahmen auf die Interpretation des dynamischen Verhaltens und der Stabilität auswirken. Dies bot wertvolle Gelegenheiten, komplementäre Ansätze zu vergleichen und gemeinsame Fragestellungen für die weitere Arbeit zu identifizieren.
Das kompakte Format erwies sich als besonders wertvoll für den wissenschaftlichen Austausch über die formellen Sitzungen hinaus. Die Diskussion über die „Region-of-Attraction“-Analyse wurde in einem Folgetreffen mit Prof. Ziqian Zhang von der TU Graz und Benedikt Grüger von der TU Darmstadt fortgesetzt, und der Austausch wurde seitdem per E-Mail weitergeführt. João und Yashwanth hatten zudem die Gelegenheit, mit Dr.-Ing. Yonggang Zhang, einem ehemaligen Mitglied des LENA-Lehrstuhls, und dem Doktoranden Philipp Hackl vom Organisationsteam der TU Graz in Kontakt zu treten, den Yashwanth zuvor auf der MELECON 2026 in Kairo kennengelernt hatte.

Abbildung 3: Yashwanth Akuthota und João Pedro Cipriani zusammen mit Dr.-Ing. Yonggang Zhang, einem ehemaligen Mitglied des LENA-Lehrstuhls.
Eine besonders willkommene spontane Ergänzung war der Besuch des Nikola-Tesla-Hochspannungslabors an der TU Graz. Der Name weist eine passende Verbindung zur Geschichte der Universität auf: Nikola Tesla studierte in den 1870er Jahren an der Technischen Hochschule in Graz, der Vorgängerin der heutigen TU Graz. Das Konferenzdinner auf dem Schlossberg und die Stadtführung am letzten Nachmittag boten weitere Gelegenheiten zum informellen Austausch und ermöglichten es den Teilnehmern, Graz auch abseits des Universitätscampus kennenzulernen. Gemeinsam schufen die Stadt, die TU Graz und die eng verbundene Konferenzgemeinschaft einen besonders angenehmen Rahmen für die erste Ausgabe von PoSyDyS.

Abbildung 4: Zu den Aktivitäten gehörten ein Besuch im Nikola-Tesla-Hochspannungslabor, eine Führung durch die Grazer Innenstadt sowie eine Führung und ein Abendessen im Restaurant „Schlossberg“.
Danksagung
Der LENA-Lehrstuhl bedankt sich bei den PoSyDyS-Organisatoren und dem Institut für Elektrische Energiesysteme der TU Graz für die hervorragende Organisation und die herzliche Atmosphäre. Nach einer erfolgreichen ersten Ausgabe haben wir uns sehr über die Pläne zur Fortführung von PoSyDyS gefreut und wünschen den Organisatoren viel Erfolg bei der weiteren Entwicklung der Veranstaltung.